Frauen
Marginalisierung der im Krieg vergewaltigten Frauen
Im Rahmen eines kulturellen Abends fand in Bern eine Diskussion zum Thema Opfer von Vergewaltigungen während des Krieges in Kosova statt. Eine Fotoausstellung thematisierte auch allgemeine Vorurteile gegenüber Frauen.
“Erschütternde Berichte – Frauen, die während des Krieges in Kosovo vergewaltigt wurden” war das Thema eines Treffens von albanischen Frauen im Integrationszentrum für Migrantinnen und Migranten “Zentrum 5” in Bern.
Hauptperson des Abends war die Aktivistin und seit vielen Jahren in der humanitären Hilfe engagierte Behide Hasanaj, die mit ihren Berichten über die verschiedenen Phasen der Hilfe für die bedürftige Bevölkerung in der Nachkriegszeit bei den Anwesenden auf grosses Interesse stiess.
Was jedoch alle am meisten berührte, und wo auch den meisten anwesenden Frauen die Tränen kamen, war das Thema der Vergewaltigungen von Frauen während des Krieges in Kosova.
Eine der vielen Videoaufzeichnungen der Aktivistin Hasanaj gab auch das Zeugnis einer albanischen Frau wieder, die vergewaltigt worden war und in allen Einzelheiten erzählte, was sie während der 22 Tage, die sie irgendwo in Kosovo gefangen gehalten wurde, erlebt hatte.
Im Verlauf des Abends wurden auch die Behörden Kosovas kritisiert, die während Jahren sehr wenig oder nichts für die Opfer von Vergewaltigungen im Krieg getan hatten.
Gemäss der Koordinatorin des Treffens, Brikela Andrea, blieb diese Kategorie von Kriegsopfern in der Gesellschaft marginalisiert, nur die Zivilgesellschaft befasste sich mit ihrem Schicksal.
Wie die Koordinatorin Andrea Brikela erklärte, war in der ersten Fassung der Gesetzesvorlage über die Kategorien von Kriegsopfern diese Kategorie nicht enthalten, was eine grosse Ungerechtigkeit bedeutete, denn es waren nur physische Verletzungen der Opfer berücksichtigt worden, nicht aber geistige oder seelische.
Nach vielen Diskussionen wurden schliesslich auch die Opfer von Vergewaltigungen in den Gesetzesentwurf über die zivilen Opfer aufgenommen.
Die Gesundheitskommission des kosovarischen Parlaments beantragte, für diese Kategorie rund 74 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Der Gesetzesentwurf ermöglicht allen im Krieg vergewaltigten Frauen, sich innert vier Jahren zu melden.
Angaben zufolge wird angenommen, dass rund 20’000 albanische Frauen von Kosovo Opfer von Vergewaltigungen durch serbische Militärs und Polizisten wurden.
Um den Abend zum Schluss etwas aufzulockern und um die Stärke und Entschlossenheit der albanischen Frau zu zeigen, wurde anschliessend die Ausstellung mit Fotografien der Fotografin Zogëza Haradini eröffnet.
Im Mittelpunkt ihrer Fotografien steht ebendieses Thema: die albanische Frau.
Sie sagt, sie habe sich von jenen Frauen, die als “Mannsfrauen” bekannt seien, inspirieren lassen.
“Sie können ebenso mit dem Gewehr umgehen wie sie auch intelligent, fortschrittlich und gebildet sind. Sie haben viel erreicht, sowohl in unseren Ländern wie in der ganzen Welt. Sie sind erfolgreich in verschiedenen Bereichen, sei es in der Bildung, in Kunst und Musik, usw.”, sagte die Fotografin Haradini zu albinfo.ch.
“Ich hatte die Gelegenheit und das Glück, Frauen fotografieren zu können, die grossen Erfolg und Weltruhm erlangt haben. Wie etwa Liri Beqja, die vielfach ausgezeichnete Sportschützin, die Sopranistin Inva Mula, Tochter des grossen Avni Mula, oder die Sopranistin Delina Hajra, Tochter von Luan Hajra, Edlira Dedja, Ledina Celo etc.” sagte Zogëza.
Ausgestellt wurden an dem Abend auch von Mirjana Macaj geschaffene Handarbeiten.
Beide Ausstellungen stiessen bei den Anwesenden auf grosses Interesse, insbesondere die Gruppe von Fotografien zum Thema allgemeiner Vorurteile gegen Frauen.
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