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10 Jahre Unabhängigkeit
Kosovo braucht eine neue, unverbrauchte Generation von PolitikerInnen, die sich bewusst ist, in wessen Dienst sie steht und wem sie rechenschaftspflichtig ist. Dann bin ich sehr zuversichtlich, dass der Aufschwung nicht weitere 10 Jahre auf sich warten lässt
Ich habe nach dem Krieg über sieben Jahre im Kosovo gelebt und gearbeitet und in dieser Zeit einen Beitrag an den Wiederaufbau des Landes geleistet. Ich war im August 2005 dabei als unsere damalige Aussenministerin Calmy-Rey bei ihrem Besuch im Kosovo sich als erstes ausländisches Regierungsmitglied für die Unabhängigkeit des Landes einsetzte. Ich war stolz darauf, dass die Schweiz diese Vorreiterrolle übernahm. Und als sich im Februar 2008 abzeichnete, dass das Land endlich seine Unabhängigkeit erklärt, reiste ich mit meiner Familie extra nach Kosovo, um bei diesem historischen Ereignis dabei zu sein. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir bis minus 15 Grad am Shadervan von Prizren mit tausend andern Menschen feierten, dass Kosovo nun ein eigenständiger Staat war.
So gross meine Freude über die Unabhängigkeit war, so gross waren auch meine Hoffnungen für das junge Land. Vor allem wünschte ich mir für Kosovo einen raschen Aufbau eines gut funktionierenden demokratischen Systems mit integren PolitikerInnen sowie sozialen und wirtschaftlichen Aufschwung, die das Land und seine Bevölkerung aus der politischen Isolation befreien sollten. Meinen kosovarischen Freundinnen und Freunden gegenüber, die bereits damals ungeduldig den fehlenden Fortschritt bemängelten, verteidigte ich die Entwicklungen und meinte, das bräuchte halt noch ein wenig Zeit. Die Schweiz ist ja auch nicht in wenigen Jahren entstanden.
Heute sind leider auch bei mir diese Freude und die Hoffnungen verflogen. Ich bin vor allem enttäuscht über die politische Elite, die ihre eigenen Interesse weit vor diejenigen ihres Volkes stellt, die in die eigene Tasche wirtschaftet und sich Vorteile verschafft und so eine positive Entwicklung und die Öffnung Kosovos verhindert. Ernüchtert bin ich aber auch über das Volk, das seine Stimme noch immer den gleichen Profiteuren gibt und so nicht die notwendige Wende herbeibringt.
Kosovo braucht eine neue, unverbrauchte Generation von PolitikerInnen, die sich bewusst ist, in wessen Dienst sie steht und wem sie rechenschaftspflichtig ist. Eine Generation von PolitikerInnen, die Verantwortung für ihr Land und ihr Handeln übernimmt und das Allgemeinwohl über das eigene stellt. Und so liegen meine neue Hoffnungen für Kosovo beim Volk, das hoffentlich endlich genug davon hat, an der Nase herumgeführt zu werden und das bei den nächsten Wahlen für neuen Kräfte stimmt. Dann bin ich sehr zuversichtlich, dass der Aufschwung nicht weitere 10 Jahre auf sich warten lässt.
- Dia Autorin ist Co-Direktorin der Solidarsuisse
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