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Prognose: Wirtschaftseinbruch 2020 weniger stark als befürchtet
Die Expertengruppe geht davon aus, dass sich die Aufholbewegung der Schweizer Wirtschaft im 3. Quartal fortgesetzt hat
Konjunkturprognose der Expertengruppe des Bundes – Oktober 2020* – Die Expertengruppe rechnet für 2020 mit einem Rückgang des Sportevent-bereinigten BIP von 3,8 % bei einer jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenquote von 3,2 %. Damit sind die Aussichten für 2020 weniger negativ als Mitte Jahr befürchtet. Im weiteren Verlauf sollte die Dynamik nachlassen.
Mit der Lockerung der gesundheitspolitischen Massnahmen setzte Ende April eine zügige Aufholbewegung der Schweizer Wirtschaft ein; sowohl die Konsum- als auch die Investitionsnachfrage übertrafen im 2. Quartal die Erwartungen. Die Kurzarbeit wurde deutlich weniger stark in Anspruch genommen als im Juni erwartet. In der Summe stellt sich das erste Halbjahr 2020 weniger negativ dar als in der Prognose von Juni angenommen.
Die Expertengruppe geht davon aus, dass sich die Aufholbewegung der Schweizer Wirtschaft im 3. Quartal fortgesetzt hat. Einige Wirtschaftsbereiche, darunter Teile des Gastgewerbes, wurden von der geringen internationalen Reisetätigkeit der Schweizer Bevölkerung gestützt. Andere Bereiche haben sich weniger stark erholt, aufgrund einer grösseren Abhängigkeit von der internationalen Konjunktur (z. B. Teile des verarbeitenden Gewerbes) oder einer direkteren Betroffenheit durch die Corona-Pandemie und die Massnahmen (z. B. der internationale Tourismus und die Grossveranstaltungen). Die Erholung der Wirtschaft bleibt somit unvollständig, die Vorjahresstände wurden in den meisten Bereichen nicht erreicht. Im September waren fast 50 000 Personen mehr arbeitslos als ein Jahr zuvor.
Für das Gesamtjahr 2020 erwartet die Expertengruppe einen Rückgang des BIP von 3,8 % (Prognose von Juni: −6,2 %). Dies wäre der stärkste BIP-Rückgang seit 1975. Am Arbeitsmarkt ist mit weiteren Rückgängen der Beschäftigung zu rechnen. Die Arbeitslosenquote sollte 2020 bei jahresdurchschnittlichen 3,2 % zu liegen kommen (Prognose von Juni: 3,8 %).
Im weiteren Verlauf sollte sich die Erholung der Schweizer Wirtschaft in einem moderaten Tempo fortsetzen. Die Expertengruppe erwartet, dass das Sportevent-bereinigte BIP 2021 um 3,8 % steigt (Prognose von Juni: 4,9 %). Damit würde die Wirtschaftsleistung der Schweiz erst gegen Ende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Dies setzt voraus, dass weder in der Schweiz noch bei den wichtigsten Handelspartnern ein weiterer breitflächiger Lockdown verhängt wird. Dann sollten sich Konsum- und Investitionsausgaben im Inland schrittweise erholen, wenn auch belastet durch Einkommensausfälle und die weiterhin grosse Unsicherheit.
Das internationale Umfeld dürfte 2021 von einer gewissen Heterogenität geprägt sein. So werden die tourismusorientierten südeuropäischen Länder besonders stark unter der Corona-Krise leiden. Andere Länder, darunter die USA und Deutschland, sollten sich zügiger davon erholen. Insgesamt kehrt die Weltwirtschaft nur zögerlich zu den Vorkrisenständen zurück. Das bremst die konjunktursensitiven Bereiche der Schweizer Exportwirtschaft. Am Arbeitsmarkt dürfte sich die Lage nur langsam verbessern: Gemäss Prognose wird die Arbeitslosigkeit 2021 auf jahresdurchschnittliche 3,4 % ansteigen (Prognose von Juni: 4,1 %), die Beschäftigung nur geringfügig wachsen.
Konjunkturrisiken
Die grössten Konjunkturrisiken bestehen weiterhin im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Reaktionen der Wirtschaftsakteure und der Politik.
Einerseits könnte sich die Unsicherheit weniger negativ auf das Konsum- und Investitionsverhalten auswirken als in der Prognose unterstellt, oder die Unsicherheit könnte z. B. aufgrund der Zulassung von Impfstoffen massiv zurückgehen. Dann wäre mit einer erheblich schnelleren Konjunkturerholung zu rechnen.
Andererseits würde die Erholung unterbrochen, falls es international erneut zu breitflächigen Betriebs- und Grenzschliessungen kommen sollte. Die Wahrscheinlichkeit von ökonomischen Zweitrundeneffekten wie Stellenabbau und Unternehmensinsolvenzen in grossem Umfang würde deutlich ansteigen. Auch die Risiken im Zusammenhang mit der weiter angestiegenen Verschuldung von Staaten und Unternehmen würden sich verschärfen.
Weitere Risiken für die Weltkonjunktur gehen vom internationalen Handelskonflikt aus. Ein « harter » Brexit, wie er derzeit wahrscheinlicher erscheint, würde die fragile Konjunktur zusätzlich belasten. Auch bleibt die Gefahr von Finanzmarktturbulenzen und eines weiteren Aufwertungsdrucks auf den Franken hoch.
Im Inland schliesslich bleibt das Risiko von stärkeren Korrekturen im Immobiliensektor bestehen.
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