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EKR – «Antisemitismus muss entschlossen und beharrlich bekämpft werden»
«70 Jahre nach den Gräueln des Holocaust wird so nahezu unverändert das Basis-Konzept des ‚ewigen, bösen Juden‘ tradiert, das gleiche Negativ-Gefühl aktiviert, nur das «äussere Gewand» sieht anders aus»
1998 beschrieb die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) in einem Bericht das Bild des Antisemitismus in der Schweiz. Aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums der Gleichberechtigung der Juden in der Schweiz nimmt sie in der neusten Nummer des TANGRAM das Thema wieder auf. Ist die Situation heute anders? Die Merkmale des Antisemitismus haben sich zwar durch die neuen Kommunikationsmittel leicht verändert, doch die Schlussfolgerung bleibt gleich: Noch immer muss gegen die Instrumentalisierung des Antisemitismus gekämpft werden, damit er nicht zum Nährboden für Extremismus wird.
Was ist Antisemitismus? Wie äussert er sich heute? Was ist speziell an der heutigen Form des Antisemitismus? Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke bei seiner Verbreitung? Welche Vorurteile bestehen weiterhin? Welchen Einfluss hat der Nahostkonflikt auf die Instrumentalisierung dieser Ideologie des Hasses? Wie kann sie wirksam bekämpft werden? Mit welchen politischen Massnahmen könnte in der Schweiz die Prävention verbessert werden? Welche Rolle kann die Schule einnehmen? Mit diesen und weiteren Fragen befasst sich die EKR in ihrer jüngsten Ausgabe des TANGRAM. Es besteht hier nicht der Anspruch, das ganze Themenspektrum abzudecken. Vielmehr sollen Diskussionen angeregt und einzelne spezifische Themen neu beleuchtet werden.
Verschiedene Autoren dieses TANGRAM weisen darauf hin, dass mit dem neuen Jahrtausend ein globaler Antisemitismus in Erscheinung getreten ist. «70 Jahre nach den Gräueln des Holocaust wird so nahezu unverändert das Basis-Konzept des ‚ewigen, bösen Juden‘ tradiert, das gleiche Negativ-Gefühl aktiviert, nur das «äussere Gewand» sieht anders aus», schreibt beispielsweise die Antisemitismusforscherin Monika Schwarz-Friesel. Besorgniserregend ist auch die Feststellung einer neueren Studie (SKMR 2015), wonach heute noch fast ein Drittel der Schweizer den verbreiteten Klischees über Juden zustimmen. In einem Interview antwortet die Soziologin Monique Eckmann auf die heikle Frage des Zusammenhangs zwischen Antisemitismus und Israelkritik.
Verschiedene Beiträge thematisieren historische Ereignisse, die für die Schweiz prägend waren und einen nachhaltigen Einfluss auf die Gesellschaft hatten. Der Historiker Jakob Tanner beleuchtet den politischen und gesellschaftlichen Kontext, in dem die Bergier-Kommission gearbeitet hat, und das auch 20 Jahre nach Erscheinen des Bergier-Berichts mangelnde Sensorium für seine Bedeutung. Der Filmemacher Jacob Berger erzählt von den heftigen Reaktionen, die das Erscheinen des Romans «Ein Jude zum Exempel» von Jacques Chessex und seine eigene Adaptation im gleichnamigen Film ausgelöst haben.
Wie reagiert man auf die Zunahme antisemitischer Äusserungen insbesondere im Internet und in den sozialen Medien? Sabine Simkhovitch-Dreyfus, Vizepräsidentin der EKR, ist der Ansicht, dass es dazu einen politischen Willen braucht und dass die spezifischen Präventionsmassnahmen nicht an die Integrationspolitik gekoppelt werden dürfen. In seinem Beitrag zeigt Professor Christian Mathis ferner die wichtige Rolle der Schule bei der Thematisierung des Holocaust.
«Der Antisemitismus ist nicht verschwunden. Er erscheint in unterschiedlicher Gestalt und stützt sich auf jeden erdenklichen Vorwand, er ist immer da, und er muss entschlossen und beharrlich bekämpft werden», schreibt die Präsidentin der EKR Martine Brunschwig Graf im Editorial.
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