Religion
Katholiken und Muslime feiern Bajram
Auch in der Schweiz, weit weg von ihrem Herkunftsland Kosova, pflegen albanischen Familien gleich welcher Religion den Geist religiöser Toleranz weiter. Die katholische Familie Balaj war bei Familie Zeqiri zu Besuch, um ihr zum Kurbanbajram zu gratulieren und das Opferfest gemeinsam zu feiern. Mit dabei war auch albinfo.ch
Am Sonntagmittag machen sich Mergim Balaj, seine Frau Merita und ihre drei Töchter auf, um die Familie von Xhafer Zeqiri zu besuchen. Mergim, katholischen Glaubens und aus Emmenbrücke (LU), hatte sich diesen Nachmittag reserviert, um Familie Zeqiri zu besuchen und ihr zum Opferfest, dem Kurbanbajram, zu gratulieren. An der Wohnungstüre der Zeqiris, die ebenfalls in Emmenbrücke leben, werden Balajs vom Familienoberhaupt Xhafer empfangen. Nach den traditionellen Glückwünschen dankt Xhafer dem Besuch für sein Kommen und heisst alle herzlich willkommen, während Ehefrau Andeneta den Tisch mit Süssigkeiten und Getränken deckt, wobei auch Baklava nicht fehlt. „Schön dass Ihr gekommen seid! Danke dass Ihr Zeit gefunden habt, zusammen mit uns das Fest des Kurbanbajram zu feiern“, sagt Xhafer Zeqiri aus Gjakova. „Gut, dass wir uns sehen und viel Glück zum Opferfest“, antwortet Mergim. „Was wir machen, ist überhaupt nichts Aussergewöhnliches. Wir führen nur eine Tradition weiter, die uns unsere Väter und Grossväter hinterliessen“, sagt er.
Balaj, der aus dem Dorf Firajë bei Gjakovë stammt, wuchs an einem Ort auf, wo immer religiöse Toleranz zwischen den Glaubensgemeinschaften herrschte: „Ich wuchs in einem Dorf auf, wo wir zusammen mit Familien islamischen Glaubens lebten. Zum Bajramfest hatte meine Mutter immer Zuckerwaren im Haus, damit, wenn Kinder muslimischen Glaubens kamen, diese auch von unserem Haus nicht ohne Süssigkeiten weggehen mussten. So dass die Kinder nie wussten, ob sie nun bei einer muslimischen oder bei einer katholischen Familie gewesen waren“, berichtet Mergim.
Die beiden Familien kennen sich seit vierzehn Jahren und ihre Beziehung ist sehr gut. Nicht nur besuchen sie sich bei Festen gegenseitig, sondern sie verbringen auch die Ferien gemeinsam, und Mergim und Xhafer realisierten zusammen im Rahmen der Organisation Nënë Tereza (Mutter Teresa) in der Schweiz viele Hilfsprojekte, mit welchen sie zahlreiche Familien in Kosovo und anderswo beim Bau eines Hauses und mit Kleidung unterstützten.
„Die Albaner sind als ein Volk der religiösen Toleranz bekannt. Nicht nur mit der Familie von Mergim, sondern auch mit andern Familien katholischen Glaubens besuchen und gratulieren wir uns gegenseitig zu allen Feiern wie Weihnachten, Ostern, Bajram und anderen Festen. Auch wenn wir weit weg von Kosova leben, geben wir uns Mühe, in unseren Familien die Tradition der Toleranz zwischen den Religionen zu bewahren. So wie es unsere religiösen Autoritäten tun, die sich gegenseitig zu den Festen gratulieren, so sollten auch wir uns ohne jegliche Vorurteile gratulieren“, äussert sich Gastgeber Zeqiri gegenüber albinfo.ch.
Beide albanische Familien wünschen, dass sich diese gute albanische Tradition auch auf ihre Kinder vererbt. „Ich habe meine Kinder mitgenommen, um auch ihnen zu zeigen, dass wir uns gegenseitig gratulieren müssen, und diesen Reichtum, den wir von unseren Vorfahren erhielten und um welchen uns viele Völker der Welt beneiden, müssen wir auch in Zukunft bewahren und pflegen“ betonte Mergim Balaj.
Nachdem wir mehr als eine Stunde bei den Zeqiris weilten, zusammen mit der Familie Balaj, wurden wir mit herzlichen Glückwünschen zum Bajramfest und mit der eindeutigen Botschaft verabschiedet, dass religiöse Toleranz bei den Albanern überall existiert, gleich wo sie sich befinden oder leben.
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