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Rendezvous mit der Geschichte
Diesen Sommer, beim Warten im Versicherungsbüro an der kosovarischen Grenze, rief mich mein Onkel an und fragte, wo ich sei. “Ich zahle gerade den Tribut, um in Kosova eingelassen zu werden. Bis gestern gaben wir alles, um das Land zu befreien, und heute zahlen wir dafür, die Familie besuchen zu können.” Meine Worte brannten den Versicherungsbeamten wie Salz in den Augen, und er gab mir verächtlich die Versicherungspolice.
Während des Wartens in der Schlange an der Grenze fühlte ich eine unbeschreibliche Aversion, eine Apathie, eine Resignation beim Gedanken, dass dieses Land sich nie verändern werde. Vielleicht jedoch irrte ich mich, vor allem wenn ich die Begeisterung sehe, die Kosovo diesen Herbst ergriffen hat, mit der neuen Generation von Entscheidungsträgern, die sich für den Sieg der Wahlen vom 6. Oktober profilieren, mit Albin Kurti an der Spitze.
Jetzt sage ich mir, zum Glück hat Kosova diese Leute. Vielleicht weiss die Diaspora sie mehr zu schätzen und es gelingt ihr auch, deren Botschaft und politischen Visionen zu verstehen, weil letztere genau den entwickelten Ländern entsprechen, in welchen sie seit Jahrzehnten lebt und arbeitet. Dies wurde bei den vergangenen Parlamentswahlen deutlich, als die Bewegung Vetëvendosja als wichtigste politische Partei in Kosova erdrutschartig zulegte und von der Diaspora unterstützt worden war.
Am 6. Oktober haben die Kosovarinnen und Kosovaren ein Stelldichein mit der Geschichte. Solche Momente sind selten. Das Treffen darf nicht scheitern, denn es wird den Beginn der Befreiung von den Padroni markieren, die ein ganzes Land zur Geisel genommen haben, wobei eine ganze Generation geopfert wurde, mit verlorenen Illusionen. Dieses Rendezvous wird, mit dem Sieg von Albin Kurti und Vjosa Osmani, den Eintritt Kosovos in die demokratische europäische Familie und die Verwirklichung des langerwarteten modernen kosovarischen Staates markieren. In diesem Prozess muss jedes Diasporamitglied alles daran geben, um wählen zu gehen, um mit dem kräftigen Besen des Volkswillens das Übel in Kosova wegzufegen.
Die gleiche Diaspora hat noch ein weiteres Rendezvous mit der Geschichte im Oktober, doch dieses Mal in der Schweiz, anlässlich der Parlamentswahlen. Zum ersten Mal in der Schweiz profiliert sich eine albanisch-schweizerische Kandidatin mit Chancen, sich erstmals einen Platz unter der Kuppel des Bundeshauses zu sichern. Die Kandidatin heisst Ylfete Fanaj. Mit ihrer Erfahrung in der schweizerischen Politik, auf kantonaler Ebene in Luzern, wie auch mit ihrem Engagement im Vorstand der Partei, welcher sie angehört, hat sie Bereitschaft und Eignung bewiesen, um die Bevölkerungsgruppe ihrer Herkunft würdevoll zu vertreten. Auch bei diesem Stelldichein mit der Geschichte muss die Diaspora mobilisieren und Fanaj unterstützen und wählen gehen. Natürlich müssen auch die anderen albanisch-schweizerischen Kandidaten, aller politischen Richtungen, unterstützt und in ihren jeweiligen Kantonen gewählt werden.
Diese Sonderausgabe der Zeitschrift Albinfo.ch bietet Ihnen eine Reihe von Interviews und Texten, die Ihnen die Programme dieser Politikerinnen näherbringen, insbesondere in Bezug auf die albanische Diaspora und deren Ansichten. Im Zuge des Wandels in Kosova traf das Albinfoteam Refik Suma, den Gemeindepräsidenten von Hani i Elezit, der bereits über drei aufeinanderfolgende Amtsperioden hin beweist, wie man sich zum Wohl der Mitbürgerinnen einsetzt. Er ist zu einem Diskussionsanlass in Lausanne am 3.Oktober eingeladen, im Rahmen der Veranstaltung “Lausanne Méditerrannée”. Beim Durchblättern der Ausgabe finden Sie das detaillierte Programm dieser Woche, die vom 27.September bis zum 6.Oktober stattfindet, und wo die albanische Kultur Ehrengast der Stadt Lausanne sein wird, mit verschiedensten Darbietungen, Konzerten, Theaterstücken und Lesungen.
Herzlich willkommen!
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